Fragwürdig leben. Was missionarische Haltungen fördert.

Dass das Feuer des Evangeliums Menschen ansteckt und Glauben weckt, ist und bleibt ein Geschehen des Heiligen Geistes. Dennoch gibt es Faktoren, die eine solche Ansteckung unterstützen oder behindern. Zu diesen Faktoren gehören die Haltungen, Werte, Überzeugungen und Einstellungen unserer Person – was die Bibel unser „Herz“ nennt (s. Mt. 12,33-35). Aus Einstellungen wachsen missionarische Grundhaltungen, die von einzelnen verkörpert und in der Gemeinde miteinander gelebt werden.

Eine missionarische Grundhaltung ist
• wahrnehmungsfähig und an Menschen ehrlich interessiert
• fähig und willig, über den eigenen Glauben Auskunft zu geben – als Lebenszeugnis und einladende Information (1. Pt. 3, 15)
• interessiert an gastfreundlichen Beziehungen (Mt. 10, 11f)
• verwickelt in die gesellschaftlichen und sozialen Herausforderungen vor Ort (Mt. 5, 13-16)
• sensibel und reaktionsfähig in Momenten, in denen Zeit und Ewigkeit sich berühren
• in der Lage, zurückhaltend zuhören zu können.

Der Gemeinde als Leib Jesu kommen dabei Schlüsselfunktionen zu, vor allem bei der Einladung zum Glauben und bei der Begleitung von Menschen. Dazu muss sie in einer doppelten Bewegung bleiben, die man mit den Stichworten „Sammlung“ und Sendung“ kennzeichnen kann. „Sammlung“ (der sog. attraktionale Modus) meint das, was Gemeinde anbietet und veranstaltet, die Bewegung von außen nach innen, von den Menschen hin zur Gotteszentrierung. „Sendung“ (der sog. inkarnatorische Modus) meint die diakonische, prophetische und bezeugende Präsenz der Gemeinde in der Lebenswelt der Menschen, die Bewegung von innen nach außen, aus der Gotteszentrierung hin zu den Menschen. Beide Bewegungen brauchen einander und sind voneinander abhängig, damit der Weg der Gemeinde weder ins Ghetto der Selbstzentrierung noch in die Überflüssigkeit der Anpassung führt.

Ein ansteckender Glaube, der beide Bewegungsrichtungen lebt, braucht dazu alltägliche Kontaktflächen, lebt in den alltäglichen Sorgen und Freuden von Menschen. Er braucht Sprachfähigkeit, die in der Gemeinde gelernt und im Alltag geübt werden kann. Er braucht adäquate Veranstaltungsformate, in denen Gottes Bedeutung für gelingendes Leben aufscheint. Und er braucht Taten für andere, die Gottes Liebe bezeugen. So kann eine Atmosphäre entstehen, die frag-würdig ist: Menschen kommen ins Fragen und begegnen der Antwort Gottes, die das eigene Leben heilt und trägt.


„Mission ist Werbung für die Schönheit eines Lebenskonzeptes. Ich teile mit anderen, was ich schön finde.“ (Fulbert Steffensky)