Kooperation und Konkurrenz
Kooperation in der Kirche ist gut, Konkurrenz nicht. Was sich so einfach anhört, ist einfach falsch. Weder ist Kooperation nur gut, noch Konkurrenz nur schlecht. Beides sind zunächst mal normale menschliche Verhaltensweisen, die in jedem individuellen Alltag anzutreffen sind. Wir kooperieren miteinander, um gemeinsam mehr zu erreichen, als jede/r für sich allein könnte. Wir konkurrieren miteinander, weil alle Güter dieser Welt begrenzt sind. Für sich betrachtet, sind Kooperation und Konkurrenz als Verhaltensweisen wertfrei. Erst die konkreten Situationen, Motive und Ziele lassen sie (allgemein gesprochen) hilfreich und lebensdienlich sein oder eben nicht.
Obwohl Kooperation in der Kirche einen guten Ruf hat, erweist sie sich in der Praxis oft als schwierig. Das liegt zum Teil daran, dass über ihre Regeln und Bedingungen oft zu wenig bekannt ist oder sie nicht berücksichtigt werden. Kooperation (z.B. zwischen mehreren Gemeinden einer Region) gelingt dann eher, wenn Gegenseitigkeit, Freiwilligkeit, Zukunftshoffnung und genug Kontakte zwischen den Kooperationspartnern gegeben sind. Das sind die Grundlagen, auf deren Basis eine regionale Kooperation organisiert werden kann.
Konkurrenz in der Kirche hat zwar einen schlechten Ruf, ist aber fast überall anzutreffen. Wegen des schlechten Rufes geschieht sie allerdings meist verdeckt und kann daher auch nur schwer bearbeitet werden. Das aber müsste geschehen, um konkurrierendes Verhalten von seinem schlechten Image zu befreien und seine Stärken zu zeigen.
Tatsächlich stehen nämlich Kooperation und Konkurrenz in einem positiven Spannungsverhältnis zueinander. Sie schließen sich nicht aus, sondern brauchen und ergänzen einander. Das allerdings setzt die Fähigkeit zu komplementärem Denken voraus, das mehr ein „sowohl als auch“ als ein „entweder oder“ kennt.
