Fehlerfreundlichkeit

Einen Fehler zu begehen, ist eine der normalsten menschlichen Handlungen. Ohne die Fähigkeit des Irrtums gäbe es vermutlich auch keine Entwicklung. Unsere protestantisch-kirchliche Kultur scheint jedoch ausgesprochen fehlerunfreundlich zu sein. Erstaunlich eigentlich, da wir doch davon überzeugt sind, aus unverdienter Gnade zu leben. Vielleicht aber auch typisch deutsch, zuerst nach Schuldigen statt nach Lösungen zu suchen?

Wie auch immer — in einer Zeit, die wie kaum eine andere zuvor durch den permanenten Zwang zur Veränderung geprägt ist, ist eine solche Haltung wenig hilfreich. Die Entwicklung einer Kultur der Fehlerfreundlichkeit gehört deshalb zu den Aspekten eines notwendigen Mentalitätswandels, ohne den regionale missionarische Kooperationsvorhaben nur schwer gelingen dürften.
Dabei geht es nicht darum, unbedachten, schlecht vorbereiteten oder lieblos durchgeführten Projekten das Wort zu reden. Im Gegenteil. Aber es geht darum, eine Haltung zu entwickeln,

  • die nicht auf einem grundsätzlich defizitären Menschenbild beruht,
  • in der Fehler nicht als persönlicher Gesichtsverlust erlebt werden,
  • die deshalb die Wahrnehmung eines Fehler zulässt
  • und die in einem Klima des Vertrauens, der Liebe und der Wertschätzung Fehler als Lernchancen begreift.

Eine solche Haltung würde nicht nur die Entwicklungschancen von Gemeinden und Regionen vergrößern, sondern auch das in solchen Entwicklungsprozessen immer vorhandene Konfliktpotential verringern.



Der größte Irrtum des Menschen war es wohl, sich die Welt so einzurichten, dass der Irrtum zur knappen Ressource werden konnte. Eine Welt ohne Irrtum wäre bald eine menschenleere Welt.
(Bernd Guggenberger)

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Auf dem Weg zu einer Kultur der Fehlerfreundlichkeit

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