Daten, Zahlen und Statistiken
Nach dem Lukasevangelium beginnt die Weihnachtsgeschichte mit einer Volkszählung: „Die Schätzung war die allererste und geschah zu der Zeit, da Cyrenius Landpfleger von Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt.“ Zu Beginn der frohen Botschaft des christlichen Glaubens steht nach Lukas folglich das staatliche Bemühen um statistische Klarheit über die Einwohnerschaft.
Auch heute erhebt die Evangelische Kirche in zahlreichen Bereichen Daten und Statistiken, die einen Blick darauf ermöglichen sollen, wie Kirche von Menschen und ihren Mitgliedern angenommen wird, welche Angebote in welchem Maße Zuspruch finden und welche Entwicklungen für die Kirche zu erwarten sind.
Darüber hinaus erfasst die amtliche Statistik der Kommunen, Landkreise, Länder und des Bundes eine Reihe von Daten, Zahlen und Statistiken, die auch der Kirche einen detaillierten Blick auf die Menschen ermöglicht, mit denen es Kirche zu tun hat. Darüber hinaus bilden Daten, Statistiken und Zahlen jeweils einen Ausschnitt gesellschaftlicher Wirklichkeit ab, in dem sich Kirche als Institution und Organisation bewegt.
Daten, Zahlen und Statistiken dienen der Kirche somit als „Sehhilfe“. In zahlreichen Landeskirchen gehören zwischenzeitlich soziodemographische Analysen zum festen Bestandteil der strategischen Planung und zur Ausrichtung des kirchlichen Handelns auf die jeweiligen gesamtgesellschaftlichen Rahmenbedingungen.
Kirchliche Statistiken – der Blick auf den binnenkirchlichen Teller
Die Erhebungen der Evangelischen Kirche geben Auskunft u.a. über
- die Kirchenmitgliederentwicklung inkl. des Anteils der Evangelischen an der Gesamtbevölkerung
- die Alterszusammensetzung der Mitglieder
- die Entwicklung der Kirchensteuereinnahmen
- die Taufen, Trauungen, Bestattungen
- die Zahl der Konfirmanden
- die Kirchenaustritte
- die Aufnahmen
- die Gottesdienstbesucherzahlen
- die kirchlichen Veranstaltungen (z.B. Kinder- und Jugendgruppen, Kirchenmusik u.v.a.)
- die ehrenamtliche Mitarbeit
Amtliche Statistik – der Blick über den kirchlichen Tellerrand
Die amtlichen Erhebungen geben Auskunft u.a. über
- die Bevölkerung (Alter, Nationalität, Geschlecht)
- die Bevölkerungsentwicklung (für einzelne Bundesländer liegen die regionalisierten Daten bis auf Landkreisebene vor)
- die Wanderungsbewegung (nach Geschlecht und Altersgruppen, Ein- und Auspendlerquote)
- die Migration
- die Anzahl der Schüler (inkl. Akademiker- und Ausbildungsquote)
- die Erwerbstätigkeit (inkl. Frauenerwerbsarbeit), die Arbeitslosenzahlen
- das Wahlverhalten
- die Flächennutzung und Umweltbelastung
- die Gewerbesteuereinnahmen und Einkommenssteuereinnahmen pro Kopf
- die Versorgung mit sozialer Infrastruktur (Krankenhäuser, Ärzten, Apotheken)
- die Standortsituation bzgl. Schulen, Hochschulen, Ausbildungsstätten
- die räumliche Erreichbarkeit von Ober-, Mittel- und Unterzentren
Für Kirche besteht die Herausforderung darin, die unterschiedlichen „Sehhilfen“ auf die gesellschaftliche Wirklichkeit – mithilfe der amtlichen Statistik — und Lebenswirklichkeit der Menschen vor Ort – mithilfe der kirchlichen Statistik -, so anzuwenden, dass sich daraus ein Nutzen für das kirchliche Handeln und die Akteure vor Ort ergibt.
Literaturhinweis:
http://www.ekd.de/statistik/index.html
