News vom 25.5.2011

Quo vadis, Region?

Rund 20 Teilnehmende aus der gesamten EKD sind auf Einladung des EKD-Reformzentrums Mission in der Region (ZMiR) am 16. Mai im Augustinerkloster in Erfurt zu einem Fachgespräch zum Thema „Quo vadis Region – von der Regionalisierung zur Regionalentwicklung“ zusammengetroffen. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, wie der regionale Raum aus seiner vielfach strukturell bedingten Engführung herausgeführt und für kirchliche Arbeit konstruktiv nutzbar gemacht werden kann. Mit der eintägigen Veranstaltung in Erfurt setzte das EKD-Reformzentrum Mission in der Region (ZMiR) seine Veranstaltungsreihe „Fachgespräche“ fort, mit der das ZMiR in den kommenden drei Jahren einer jeweils ausgesuchten Gruppe von Fachleuten, Multiplikatoren und kirchlich Verantwortlichen in einer konzentrierten Tagesveranstaltung die Möglichkeit bieten will, in einem überschaubaren Rahmen Fach-Beiträge zu bestimmten thematischen Schwerpunkten der Zentrumsarbeit zu hören und dazu in Diskussion und Austausch die eigene Position in die Arbeit des Reformzentrums einzubringen. Darüber hinaus ist das Fachgespräch eine Wegmarke des EKD-Zentrums in der Beschäftigung mit dem Thema Region und Raum, das im Jahr 2011 einen Schwerpunkt in der Arbeit des Zentrums bildet.

Den Ausgangspunkt der intensiven Diskussion, deren wesentliche Ergebnisse im Folgenden dokumentiert sind, bildeten Impulsreferate dreier profilierter Fachreferentinnen und Fachreferenten, die aus unterschiedlichen Blickwinkeln das Thema beleuchteten:

Der Marburger Sozialethiker und Direktor des Instituts für Wirtschafts- und Sozialethik (IWS) Professor Dr. Wolfgang Nethöfel provozierte mit der These, dass die Regionalisierungsbemühungen in der evangelischen Kirche oft mit Angst und Schrecken besetzt seien und den Anschein einer „nachholenden Modernisierung“ erwecken. Deshalb ermunterte er dazu, sich Erkenntnisse der aktuellen Stadt- und Netzwerkforschung bei weitergehenden Überlegungen zur Regionalentwicklung zu eigen zu machen. Insbesondere sei die Stärke der schwachen Bindungen, die für Kirche Potential hätten, in den Blick zu nehmen ebenso wie die Grenzräume und Kontaktzonen, die sich daraus ergeben und die Identität vermitteln.

Pastorin Ulrike Brand-Seiß, Referentin beim Evangelischen Gemeindedienst der nordelbischen Kirche, gab Einblicke in ihre Erfahrungen des nordelbischen Reformprozessesund plädierte dafür, bei allen Bemühungen um die Region als Gestaltungsraum die biblisch-theologische Verständigung darüber, was Region sein soll, an den Anfang zu stellen und darauf aufbauend die Inhalte und Angebote einer Region abzustimmen bzw. Fragen nach der Struktur und den Ressourcen zu stellen.

Pastorin Dr. Annegret Freund, Leiterin des Gemeindekollegs der VELKD in Neudietendorf, knüpfte an das Plädoyer von Brand-Seiß an und entwarf anhand der im Saaletal gelegenen Leuchtenburg und der dort vorfindlichen „unerzwungen Regionalisierung“ mögliche Facetten eines Zukunftsbildes einer zauberhaften und Lust machenden Regionalentwicklung. Darüber hinaus betonte sie, dass regionale Kooperationen nicht von Verträgen leben, sondern von erfreulichen Erfahrungen und hart daran gearbeitet werden müsse, dass Regionen als Ankerpunkte der Entängstigung angesehen werden, die für die Menschen vor Ort einen Mehrwert darstellen.

Da EKD-Zentrum Mission in der Region dankt den Referentinnen und Referenten für ihre hilfreichen Beiträge und den Teilnehmenden für ihre engagierte Beteiligung und hofft, dass zahlreiche Anregungen des Fachgesprächs in der kirchlichen Praxis ihren Niederschlag finden mögen.


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