mehr-wert: Mission in der Region
„Wir sind Mission!“
Hans-Hermann Pompe, Leiter des EKD-Zentrums, zeigte sich im Anschluss an die Tagung überwältigt von der enormen Resonanz der Veranstaltung: „Die Menschen haben sich anstecken und begeistern lassen für das Thema Mission in der Region.“ Dazu beigetragen habe sicher auch die einladende und inspirierende Atmosphäre des Klosters Volkenroda. Pompe ist überzeugt, dass die Teilnehmenden das ermutigende Signal des Aufbruchs, das von Volkenroda ausgeht, in ihre Heimatregionen tragen. „Wir als Zentrum haben die leise, aber berechtigte Hoffnung, dass dadurch die vergessene Schönheit der Region vielerorts geweckt wird, denn sie bietet viel für gelingende Mission.“
Der Heidelberger Theologe Wilfried Härle sprach in seinem Impulsreferat aus, was viele auf der Tagung bewegte und als Anspornauffassten: „Wir sind Mission!“ Mission sei eine schlichte Tatsache aller Christen und der Kirche, so Härle, und damit nichts, was dadurch in Gang komme, weil es entschieden werde.
Ein ermutigendes Beispiel dafür, dass missionarische Aufbrüche möglich sind, gab der englische Bischof John Finney, der maßgeblich daran beteiligt war, dass „mission shaped church“ zu einer Erfolgsgeschichte für die anglikanische Kirche wurde. Der Altbischof verschwieg dabei nicht, dass es äußere Sparzwänge waren, die die anglikanische Kirche zu Reformen gezwungen haben: „Der Heilige Geist spricht durch eine Sprache zu uns, die wir verstehen: Geld“, so Finney. Er plädierte dafür, das Thema Mission auf die Tagesordnung der Kirchenleitungen und Synoden zu setzen. Gemeinden, die an Mission interessiert seien, empfahl der anglikanische Altbischof, sechs Fragen zu beantworten: Ist der Gottesdienst auch für Nicht-Christen geeignet? Gibt es Alternativen zum Sonntags-Gottesdienst? Ist Mission beschränkt auf die Predigt? Gibt es Glaubenskurse? Lebt der Pfarrer, was er lehrt? Werden die Gaben von Ehrenamtlichen eingesetzt?
Vor einer ähnlichen Situation wie die anglikanische Kirche steht nach Ansicht des niederländischen Theologen Gert Noort auch die evangelische Kirche in den Niederlanden. Der Aderlass durch dramatisch zurückgehende Kirchenmitgliederzahlen stelle für die volkskirchliche Struktur eine enorme Herausforderung dar. Andererseits sei zu beobachten, dass parochieübergreifende, zielgruppenorientierte Gemeindepflanzungen einen enormen Zulauf erfahren.
Hans-Hermann Pompe betonte in seinem Vortrag, dass es deshalb für die Evangelische Kirche darum gehen müsse, die Region als missionarischen Raum zu begreifen, der Attraktivität ausstrahle. Dies sei umso wichtiger, da Evangelische Kirche daran interessiert sein müsse, Menschen zu erreichen, die sie nicht mehr erreiche oder noch nicht erreicht habe.
Gerade hier sieht Oberkirchenrat Thomas Latzel vom EKD-Kirchenamt eine der Hauptaufgaben des EKD-Zentrums Mission in der Region, mit dem die Hoffnung verbunden wird, dass es eine „Zumutung für volkskirchliche Trägheit“ werde „sowie für diejenigen, die immer schon allzu genau wissen, was Mission heißt.“
Mit Blick auf das häufig als Konkurrenz empfundene Verhältnis von Ortsgemeinde und Region regte der Leiter des EKD-Zentrums an, das Verhältnis subsidiär zu denken: „An den lokalen Ort gehört alles, was dort gut geht und lokal notwendig und sinnvoll ist. Regional ist das sinnvoll, was regional bessere Wirkung hat und die Parochie latent überfordert.“
Dass Kirche in der Vermittlung ihrer Inhalte noch deutlichen Nachholbedarf hat, machte Matthias Feige von der Beratungsfirma dwif-consulting in Berlin deutlich. Mit Blick auf die Entwicklung in sozialen Netzwerken und im Web 2.0 werde es künftig wichtiger, die Kirchenmitglieder in realen und virtuellen Welten besser und adressatenorientierter zu betreuen.