Wozu regt Sie dieses Kapitel an? Was löst es bei Ihnen aus?
Nach mehr ;-). Ich habe Lust bekommen weiter zu lesen. Ich war sehr skeptisch über die Aufgabe, nur auf das Kapitel 8 zu reagieren ohne die anderen gelesen zu haben. Es geht und es geht sogar sehr gut. Ich bleibe dort hängen, wo ich angesprochen bin. Es lohnt sich, sich für 10 Minuten zum Lesen hinzusetzen. Ich muss nicht brav von Kapitel 1-14 lesen, um die Inhalte zu verstehen. Ich darf durch das Buch tanzen. An dieser Erkenntnis schnuppern, jene mitnehmen oder auch überspringen. Das Buch ist sehr schön vernetzt und durch die vielen Verweise gut verzahnt.
So wie die Autor*innen dieses Buch geschrieben haben, nicht linear, sondern vernetzt, so verstehe ich die Prozesse des Denkens, Redens, Leitens und Gestaltens auf den verschiedensten Ebenen in unseren Landeskirchen. Nicht linear, sondern vernetzt: Wenn ich so entscheide, dann entsteht diese Situation. Wenn ich so entscheide, dann jene. Keine Entscheidung ist an sich gut oder schlecht.
Es kommt auf die Beziehung der verschiedensten Komponente für die Entscheidung an. Dieses Vernetzen basiert in unserer Arbeit auf den Beziehungen zu den Menschen in den Kirchengemeinden und damit ganz entscheidend auf Vertrauen. Ohne das läuft nichts. Wir können in und mit unseren Gremien nur gut leiten und gestalten, wenn wir uns vertrauen, wenn wir offen und ehrlich Feedback geben, also mit Achtung „Zurückfüttern“, wie wir das Verhalten und die  Leitung des anderen wahrnehmen.

Was ist für Sie offen, weiterhin ungeklärt?
Haben wir den Mut und das Vertrauen uns die Zeit zu nehmen, die wir für diese Prozesse brauchen? Einbeziehen, beteiligen, Beziehungen aufbauen, stärken und pflegen braucht Zeit, braucht sehr viel Zeit.
Ich spüre gegenüber dem kirchlichen Begriff „geistliche Leitung“ (8.1.3.) ein großes Unbehagen, wenn wir diesen Begriff für uns elitär innerkirchlich in Anspruch nehmen. Für mich leitet jede*r praktizierende Christ*in in Leitungsposition geistlich.

Sie planen zum Thema des Kapitels ein Seminar. Mit welcher These steigen Sie ein?
Trauer ist eine normale Reaktion auf einen bedeutenden Verlust. „Das Leben wird rückwärts verstanden und vorwärts gelebt.“ Lassen Sie uns nochmals wertschätzend zurückschauen und dann den Blick nach vorne richten und das Leben in die Hand nehmen und gestalten.

Christiane Kellner
Superintendentin des Kirchenkreises Merseburg