1. Wozu regt Sie dieses Kapitel an? Was löst es bei Ihnen aus?
Beim Lesen des 1. Kapitels reißt ein weiter Horizont auf: Gottes raumgreifendes Handeln, das Lebensräume heilsam verändert, Handlungsräumen Perspektiven eröffnet  und Zukunftsräume durch Verheißung qualifiziert, regt dazu an, die biblischen Texte unter diesem Aspekt der geschichtlichen Präsenz Gottes in Raum und Zeit ganz neu zu lesen und sie auf die eigenen Lebensräume zu beziehen.
Dass die evangelische Freiheit auch ekklesiologisch als morphologische Freiheit und damit als Relativierung selbstgenügsamer Kirchenstrukturen immer wieder neu durchzubuchstabieren ist, weckt den Wunsch, im Sinn einer missiologischen Institutionskritik geschichtliche und gegenwärtige Kirchengestalten daraufhin zu befragen, ob sie eine wirksame Kommunikation des Evangelium fördern oder erschweren.
Eine These des Kapitels heißt: Die leidvolle Spannung zwischen dem parochialen Ich und dem regionalen Wir wird entschärft, wenn sich Ort und Region unter einer gemeinsamen missionarischen Perspektive gegenseitig Glanz und Wert geben. Das ermutigt zur Überwindung falscher Alternativen (Parochie oder Region) und regt dazu an, Gemeinden das missionarische Potential ihrer Region als Handlungs-, Bewegungs- und Entscheidungsraum bewusst zu machen.

2. Was ist für Sie offen, weiterhin ungeklärt?
Als Eröffnung des Handbuches spricht das 1. Kapitel schlaglichtartig bereits Themen an, die erst in den folgenden Kapiteln theologisch vertieft und praxisorientiert näher entfaltet werden – so z. B. das Verhältnis von Region und Parochie (vgl. Kap. 3) oder die ekklesiologisch-missionarische Dimension der Region (vgl. Kap. 4).
So bleibt in Kapitel 1 beispielsweise noch ungeklärt, wie das missionarische Potenzial einer Region als gemeinsamer Schatz ihrer Gemeinden entdeckt und gehoben werden kann. Auch lässt Kapitel 1 noch offen, welche geistlichen Wahrnehmungshilfen, konkreten Schritte und kirchenleitenden Impulse nötig sind, damit Parochie und Region tatsächlich aus Konkurrenten zu Partnern werden und sich wechselseitig zu neuem Glanz verhelfen. Eine Antwort auf diese Fragen wird angesichts der Pluralisierung in unseren Kirchen und der „Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“ (S.155) kaum in allgemeingültigen Handlungsanweisungen zu suchen sein, sondern a) im Erzählen gelungener Beispiele und b) im Benennen von Grundhaltungen, die die gewünschten Prozesse nachweislich fördern.

3. Sie planen zum Thema des Kapitels ein Seminar: Mit welcher These steigen Sie ein?
Meine These: Starke Regionen brauchen starke Parochien. Gemeinden und Regionen können sich gegenseitig zu neuem Glanz und Wert verhelfen.

Dr. Burghard Krause
Landessuperintendent i.R. des Sprengels Osnabrück